„Mobilisation ist das A und O": Silvan Schroeren über seine Erfahrungen in der geriatrischen (Früh-) Rehabilitation
„Wäre ich heute noch in der Pflege, würde ich sofort wieder in die geriatrische (Früh-) Rehabilitation gehen.” Das sagt Silvan Schroeren über einen Bereich, in dem er jahrelang gearbeitet hat und den er am Ende trotzdem verlassen hat.
Insgesamt hat er 16 Jahre in der Pflege gearbeitet, den Großteil davon in der geriatrischen (Früh-) Rehabilitation, bevor er Care Rockets mitgegründet hat und unser Geschäftsführer wurde. Im Interview erzählt er, wie der Alltag auf einer Frühreha-Station aussieht, was ihn an körperliche Grenzen gebracht hat und was er bis heute vermisst.
Silvan, wie bist du in der geriatrischen Rehabilitation gelandet?
Ja, das ist eigentlich eine witzige Geschichte. Ich habe mich nicht direkt um einen Job nach meiner Ausbildung gekümmert, weil ich erst die Prüfung fertig machen wollte. Ein Schulkollege von mir hatte einen Job in der St. Mauritius Therapieklinik, ist aber durch die Prüfung gefallen. Deswegen wusste ich, dass er seinen Job nicht antreten kann.
Ich bin dann einfach hin, habe an die Tür vom Pflegedirektor geklopft und gefragt, ob sie Leute suchen. Er meinte: „Ja, da ist gerade jemand abgesprungen, kommen Sie rein." So hatte ich den Job in einer Rehaklinik. Es war also eher Gelegenheit als Motivation.
Welche Ausbildung hast du gemacht, und wie lange warst du in dem Bereich?
Ich habe Gesundheits- und Krankenpfleger gelernt. Ich bin dann vier Jahre lang in der Rehaklinik geblieben. Später habe ich sechs Jahre in einem Krankenhaus gearbeitet, wo die Abteilung ganz klar „Geriatrische Frührehabilitation" hieß..
In beiden Kliniken hatten wir viele Überschneidungen zur neurologischen Frühreha. Geriatrische Patient:innen sind in der Regel über 70 oder 75 Jahre alt. Durch den neurologischen Schwerpunkt unseres Chefarztes hatten wir sehr viele Schlaganfallpatient:innen mit Lähmungen oder auch Patient:innen mit Parkinson.
Hast du in einer eigenen Rehaklinik gearbeitet oder auf einer Station im Krankenhaus?
In meinem ersten Job war es eine reine Therapieklinik, die St. Mauritius Therapieklinik. Später habe ich in einem Krankenhaus gearbeitet, in dem eine Station zweigeteilt war: eine Hälfte Innere Medizin, also Akutversorgung, und die andere Hälfte private geriatrische Frühreha.
Da hatte man den direkten Kontrast zwischen Akutmedizin und Frühreha. Der Vorteil der Frühreha ist, dass man nicht die akute Notfallmedizin betreut, sondern intensiv daran arbeitet, die Menschen wieder fit zu machen.
Wie würdest du die geriatrische Frührehabilitation einer Kollegin erklären, die noch nie dort gearbeitet hat?
Der Unterschied zur geplanten Reha nach einer OP ist, dass die Frühreha direkt an die Krankenhausbehandlung anschließt. Wer beispielsweise einen Oberschenkelhalsbruch hat, wird spätestens am ersten Tag nach der OP mobilisiert. Wer rastet, der rostet.
Wenn ältere Menschen tagelang im Bett liegen, bringt das erhebliche Einbußen in der Beweglichkeit mit sich. Die Ärzteschaft im Krankenhaus schätzt ein, ob die Patient:innen für die Frühreha zugelassen werden. Die Frühreha überbrückt die Zeit bis zur eigentlichen Reha und spart langfristig Kosten im Gesundheitswesen.
Wie lange dauert so eine Frührehabilitation?
In der Regel zwei Wochen. Man kann um eine Woche verlängern, also sind es meist zwei bis drei Wochen. Das hängt auch vom Versicherungsstatus ab, ob jemand Kassen- oder Privatpatient ist.
Welche Aufgaben hat eine Pflegekraft in der geriatrischen Frührehabilitation?
Neben der Medikamentengabe und der medizinischen Versorgung geht es vor allem darum, den Therapieablauf sicherzustellen und die Patient:innen wieder an ihre täglichen Alltagsroutinen heranzuführen. Zum Beispiel holen wir die Patient:innen aus dem Bett und helfen ihnen, dass sie zum Frühstück am Tisch sitzen.
Wie habt ihr mit den anderen Berufsgruppen zusammengearbeitet?
Die Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten und Ergotherapeuten ging Hand in Hand. Wir hatten wöchentliche Besprechungen im interdisziplinären Team mit dem Chefarzt. Da hat man alle Patient:innen einzeln besprochen und den weiteren Verlauf geplant.
Wie waren die Arbeitsorganisation und das Schichtsystem bei euch?
Wir Pflegekräfte in der geriatrischen Frührehabilitation arbeiten im Dreischichtsystem rund um die Uhr. In der Therapieklinik gab es keine feste Nachtwache, sodass jede examinierte Pflegekraft ungefähr fünf bis sieben Nächte im Monat gemacht hat. Wegen Personalausfällen musste man aber auch oft einspringen.
Tipp: Wenn planbare Arbeitszeiten für dich das Wichtigste sind, findest du hier Jobs ohne Schichtdienst Pflege ohne Schichtdienst.
Was hat dir an der Arbeit mit älteren Menschen gefallen?
Es ist schön, mit älteren Menschen zu arbeiten. Unsere Aufgabe in der Reha ist nicht, ihnen alles abzunehmen, sondern sie anzuleiten und zu befähigen, trotz Einschränkungen wieder selbst klarzukommen.
Faszinierend ist die neurologische Plastizität des Gehirns. Wenn bei einer Schlaganfallpatientin der rechte Arm gelähmt ist, setzen wir sie trotzdem jeden Tag an den Tisch und legen Besteck auf beide Seiten.
Durch stetige therapeutische Anregung bilden sich manchmal neue Synapsen. Und irgendwann zuckt die Hand wieder oder greift nach der Gabel. Zu sehen, wie Menschen ihre Fähigkeiten zurückgewinnen, ist unheimlich erfüllend.
Was macht die Arbeit körperlich und im Umgang mit den Patient:innen herausfordernd?
Viele ältere Patient:innen haben eine Gedächtnisschwäche oder Demenz. Das erfordert viel Einfühlungsvermögen.
Körperlich ist die Mobilisation von gelähmten oder sehr schweren Patient:innen enorm anstrengend. Bei unsachgemäßer Mobilisation verhebt man sich schnell. Ich hatte mir in meinen ersten Nachtschichten sogar einen Lungenkollaps geholt und danach gelernt, konsequent kinästhetisch zu arbeiten.
Welche Rolle spielt dabei der Zusammenhalt im Team?
Gerade durch diese schweren Herausforderungen entstehen die besten und stärksten Teams. Man muss zusammenhalten und Hand in Hand arbeiten. Diesen Teamzusammenhalt vermisse ich bis heute.
Wie hat sich der Personalschlüssel im Laufe deiner 16 Jahre in der Pflege entwickelt?
Der Personalschlüssel ist über die Jahre deutlich schlechter geworden. Überstunden und ständiges Einspringen gehörten zum Alltag. Man betreut oft allein acht bis zehn Patient:innen.
Hast du auch Veränderungen bei den Patient:innen erlebt, die in die Frühreha kamen?
Die Zulassungsschwelle wurde über die Jahre immer höher gesetzt. In meinen vier Jahren konnte ich beobachten, dass früher Patient:innen liegend kamen und gehend gingen.
Später kamen viele liegend und gingen liegend, weil die Hürden so hoch waren, dass manche gar nicht mehr wirklich rehafähig waren.
Warum hast du dich letztlich entschieden, den Pflegeberuf zu verlassen?
Seit der Einführung der Fallpauschalen 2004 und der fortschreitenden Kommerzialisierung hat sich der Druck stark erhöht. Der Personalschlüssel sank, der Dokumentationsaufwand stieg enorm. Nach 16 Jahren geht das an die Substanz.
Wäre ich heute noch in der Pflege, würde ich aber sofort wieder in die geriatrische Frührehabilitation gehen, weil das Arbeitsfeld an sich sehr sinnvoll und erfüllend ist.
Fazit
Die geriatrische Frührehabilitation ist etwas für Pflegekräfte, die Fortschritte sehen wollen, auch kleine. Es geht nicht darum, dass am Ende wieder alle laufen. Es geht darum, dass Menschen trotz Einschränkungen wieder selbst klarkommen. Manchmal ist das der Moment, in dem eine gelähmte Hand nach der Gabel greift.
Wer akute Notfallmedizin sucht, ist hier falsch. Wer lieber anleitet und befähigt, statt Menschen alles abzunehmen, wer gern eng mit Physio- und Ergotherapie arbeitet und körperlich zupacken kann, für den lohnt sich ein Blick auf die geriatrische Frührehabilitation.
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FAQ: Häufige Fragen zur geriatrischen Frührehabilitation
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Pflegekräfte in der geriatrischen Frührehabilitation verbinden die pflegerische Versorgung mit dem Training alltäglicher Fähigkeiten. Sie unterstützen Patient:innen beim Aufstehen, Waschen, Anziehen und Essen. Dabei helfen sie so viel wie nötig und lassen die Menschen möglichst viel selbst übernehmen. Hinzu kommen Aufgaben wie Medikamentengabe nach ärztlicher Anordnung, Beobachtung des Gesundheitszustands und Pflegedokumentation. Pflegekräfte stimmen sich eng mit dem ärztlichen und therapeutischen Team ab und sind Ansprechpartner für Angehörige.
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Geriatrische Frührehabilitation verbindet die Behandlung einer akuten Erkrankung mit früh einsetzenden Rehabilitationsmaßnahmen für ältere Menschen. Sie beginnt bereits während des Krankenhausaufenthalts, solange noch akutstationärer Behandlungsbedarf besteht.
Ziel ist, Beweglichkeit und Selbstständigkeit möglichst zu erhalten oder zurückzugewinnen. Dafür arbeiten Pflege, Ärzt:innen und verschiedene Therapieberufe zusammen.
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Geriatrie ist das medizinische Fachgebiet für die Versorgung älterer Menschen. Es umfasst die Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen, Prävention, Rehabilitation und die Versorgung am Lebensende.
Geriatrische Frührehabilitation ist ein Teil dieser Versorgung. Hier werden akutmedizinische Behandlung und Rehabilitation früh miteinander verbunden. Geriatrie und Frührehabilitation sind deshalb keine Gegensätze: Eine geriatrische Krankenhausstation kann beides anbieten.
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Eine geriatrische Frührehabilitation dauert häufig etwa zwei bis drei Wochen. Die tatsächliche Dauer hängt vom Gesundheitszustand, dem akutmedizinischen Behandlungsbedarf und dem Verlauf ab.
Für die Abrechnung der geriatrischen frührehabilitativen Komplexbehandlung unterscheidet der OPS 2026 Mindestzeiten von 7, 14 oder 21 Behandlungstagen mit jeweils festgelegten Therapieumfängen. Diese Abrechnungsstufen sind allerdings keine feste Aufenthaltsdauer für alle Patient:innen. Eine pauschale Begrenzung auf drei Wochen lässt sich daraus nicht ableiten.
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In der geriatrischen Frührehabilitation werden ältere Menschen behandelt, die nach einer akuten Erkrankung oder Verletzung in ihrer Beweglichkeit oder Selbstversorgung eingeschränkt sind und weiterhin Krankenhausbehandlung benötigen. Häufig bestehen mehrere Erkrankungen gleichzeitig.
Typische Anlässe sind ein Schlaganfall, ein hüftnaher Oberschenkelbruch oder ein deutlicher Verlust von Kraft und Selbstständigkeit nach einer schweren Erkrankung. Viele Patient sind 70 Jahre oder älter. Entscheidend ist aber nicht allein das Alter, sondern die Kombination aus Erkrankungen, Einschränkungen und Behandlungsbedarf.
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Geriatrische Frührehabilitation ist eine zeitlich begrenzte Krankenhausbehandlung mit gezielten Rehabilitationsmaßnahmen. Akute Erkrankungen werden behandelt, während Patient gleichzeitig alltägliche Fähigkeiten wieder trainieren.
Die Pflege im Pflegeheim unterstützt Menschen meist längerfristig bei bestehender Pflegebedürftigkeit. Dazu gehören pflegerische Versorgung, medizinische Behandlungspflege und soziale Betreuung. Auch im Pflegeheim werden Selbstständigkeit und Bewegung gefördert. Der Unterschied liegt vor allem im Versorgungsauftrag und in der Organisation der medizinischen und therapeutischen Behandlung.
Tipp: Wie der Alltag im Pflegeheim aussieht, erzählt Karin aus ihren 16 Jahren als Betreuungskraft im Seniorenheim.
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Eine geriatrische Weiterbildung ist nicht für jede Pflegefachkraft Voraussetzung, um in der Geriatrie zu arbeiten. Für den Einstieg sind die anerkannte Pflegequalifikation und die Anforderungen der jeweiligen Stelle maßgeblich.
Für den Betreiber ist es allerdings hinsichtlich der Abrechnung wichtig, dass mindestens eine Pflegefachkraft muss eine geriatriespezifische Zusatzqualifikation von mindestens 180 Stunden und mindestens sechs Monate Erfahrung in einer geriatrischen Einrichtung nachweisen.
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Die Arbeit in der geriatrischen Frührehabilitation passt zu Pflegekräften, die gern mit älteren Menschen arbeiten, geduldig anleiten und Fortschritte im Alltag begleiten. Wichtig sind auch Interesse an komplexen Krankheitsbildern und Freude an der Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen.
Geduld braucht es etwa, wenn das Anziehen länger dauert, weil Patient:innen einzelne Schritte selbst üben. Die enge Abstimmung und die umfangreiche Dokumentation gehören ebenfalls zur Arbeit.
Auch für den Wiedereinstieg in die Pflege nach einer längeren Pause wird der Bereich oft empfohlen.
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